Herdwächter: Wenn der Herd sich im Notfall selbst abschaltet

Ein Topf wird auf dem eingeschalteten Herd vergessen, die Pfanne überhitzt – und aus einem kurzen Moment der Unachtsamkeit kann ein Wohnungsbrand entstehen. Sogenannte Herdwächter sollen solche Situationen erkennen, bevor Rauch oder Feuer entstehen. Besonders für ältere Menschen kann die Technik zusätzliche Sicherheit bieten.

Viele Küchenbrände beginnen nicht mit offenem Feuer, sondern mit einem unbeaufsichtigten Herd. Nach Angaben der Initiative „Stop Herdbrand“ entstehen 48 Prozent der Brände in der Küche. Eine technische Sicherung kann eingreifen, bevor aus einem überhitzten Kochfeld eine gefährliche Situation entsteht.
Sogenannte Herdwächter bestehen aus einem Sensor und einer Steuereinheit. Der Sensor wird meist oberhalb des Kochfeldes angebracht und überwacht die Temperaturentwicklung. Erkennt das System einen ungewöhnlichen Temperaturanstieg, gibt es zunächst ein Warnsignal. Reagiert niemand, unterbricht die Steuereinheit die Stromversorgung des Kochfeldes. Damit unterscheidet sich ein Herdwächter vom Rauchwarnmelder: Er soll eingreifen, bevor überhaupt Rauch entsteht.

Nicht jede heiße Pfanne führt zur Abschaltung

Die Geräte sollen normale Kochvorgänge von gefährlichen Situationen unterscheiden können. Systeme nach der europäischen Norm EN 50615 müssen entsprechende Sicherheitsanforderungen erfüllen und sollen zugleich unnötige Abschaltungen vermeiden. Herdwächter können nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit nahezu allen Elektro- und Induktionsherden eingesetzt werden. Für Gasherde sind sie dagegen nicht geeignet.
Besonders interessant kann die Technik für Haushalte sein, in denen das Risiko steigt, dass ein eingeschalteter Herd vergessen wird. Der GDV verweist dabei insbesondere auf ältere Menschen. Nach Angaben des Verbandes sind 61 Prozent der Brandopfer in Deutschland älter als 60 Jahre.
Ein Herdwächter kann Aufmerksamkeit und andere Brandschutzmaßnahmen zwar nicht ersetzen. Er kann aber eine zusätzliche Sicherheitsebene schaffen und beispielsweise dazu beitragen, dass ältere Menschen weiterhin selbstständig kochen können.

Zahlt die Versicherung bei einem Küchenbrand?

Kommt es trotz Vorsorge zu einem Brand, können unterschiedliche Versicherungen betroffen sein. Schäden am Gebäude fallen grundsätzlich in den Bereich der Wohngebäudeversicherung. Werden Möbel, Elektrogeräte oder andere bewegliche Gegenstände beschädigt, ist grundsätzlich die Hausratversicherung zuständig.
Technische Präventionsmaßnahmen wie ein Herdwächter können für Versicherer ebenfalls interessant sein, weil sie Schäden verhindern sollen. Ob der Einbau Auswirkungen auf einen konkreten Tarif oder Beitrag hat, lässt sich jedoch nicht allgemein sagen und hängt vom jeweiligen Versicherer und Vertrag ab.
Hinter der Initiative „Stop Herdbrand“, von der die Angabe zum Anteil der Küchenbrände stammt, steht das Netzwerk für Brandschutz in der Küche. Beteiligt sind unter anderem die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, der Deutsche Feuerwehrverband und die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes sowie Hersteller von Herdwächtern.

Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Initiative „Stop Herdbrand“

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